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Trichotillomanie - eine wenig bekannte Krankheit

Die Trichotillomanie – auch als „zwanghaftes Haarreausreißen“ bezeichnet – gehört zu den Impulskontrollstörungen und im weiteren Sinn zu den Zwangskrankheiten. Das Wort leitet sich aus dem Griechischen ab, wo „tricho“ für Haar steht, „tillo“ die Bewegung des Herausziehens beschreibt und „manie“ den krankhaften Impuls benennt. Die Betroffenen leiden darunter, sich die Haare ausreißen zu müssen. Alle behaarten Körperteile kommen in Frage. Die am häufigsten betroffenen Körperstellen sind der Kopf, Wimpern, Augenbrauen, Schambereich, Gesicht und Extremitäten.

Die meisten Betroffenen reißen sich gezielt Haare mit einer bestimmten Qualität aus. Diese Haare werden z.B. als besonders dick, grau oder z.B. mit Spliss beschrieben. Fast die Hälfte der Betroffenen fühlen sich durch Gedanken wie z.B. „bestimmte Haare müssen gefunden und ausgezogen werden“ oder Gedanken der Symmetrie zum Ausreißen gedrängt. Einige Betroffene berichten von einem Jucken, Hautreizungen oder Druck auf der Haut, bevor sie anfangen zu zupfen. Dem Ausreißen des Haares geht meistens ein Anfassen oder Streicheln des Haares voraus. Schmerz wird beim Ausreißen in der Regel nicht empfunden. Fast die Hälfte der Betroffenen zeigt nach dem Ausreißen der Haare orale Verhaltensweisen, die sich auf das Haar beziehen, wie z.B. mit dem Haar über die Lippen streichen, die Wurzel des Haares abbeißen oder das Haar aufessen (Trichophagie).

Meist beginnt das Haareausreißen in der Pubertät, und oft werden belastende Ereignisse und traumatische Erlebnisse, wie sexueller Missbrauch, Familienkonflikte, Scheidung der Eltern oder ein Schulwechsel damit in Zusammenhang gebracht. Das Haareausreißen kann eine entlastende Ablenkung oder ein Ventil für unverarbeitete Gefühle und Anspannung sein. Es wird zu einer ritualisierten Handlung bzw. zu einer Gewohnheit, die sich im Laufe der Zeit verselbstständigt.